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Wir sehen uns als Entwicklungsbegleiterinnen und Anwältinnen des Kindes, nicht nur als Animateurinnen und schon gar nicht als Unterhalterinnen.

Unser entwicklungsbegleitendes Handeln ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von sehr unterschiedlichen Einflüssen und Faktoren und vollzieht sich nicht in einem „luftleeren“ Raum oder geschieht zufällig. Meist werden die Impulse der Kinder von uns aufgegriffen, um auf diese Weise die Entwicklung der Kinder zu fördern. Dabei stehen die Bedürfnisse und nicht nur die Wünsche der Kinder im Vordergrund.

Wir leiten aus Beobachtungen Situationen ab, die für die meisten Kinder von Bedeutung sind und entwickeln daraus Projekte für unsere Gruppen oder den gesamten Kindergarten. Dabei basiert unser gesamtes pädagogisches Handeln auf den Inhalten der Bildungsvereinbarung Nordrhein Westfalens. Hierbei sind uns als Erzieherinnen des Städtischen Kindergartens Marienhagen jedoch vier Bereiche besonders wichtig.

Diese Schwerpunkte unserer Zielsetzung sind:

 

  • die ganzheitliche Betrachtungsweise eines jeden Kindes und die darauf basierende, individuelle Förderung durch uns Erzieherinnen
  • der Aufbau der größtmöglichen sozialen Kompetenz beim Kind.
  • der Erwerb der größtmöglichen Selbständigkeit des Kindes.
  • die Förderung einer altersentsprechenden Konzentrationsfähigkeit beim Kind.



Nachfolgend möchten wir Ihnen einen detaillierteren Einblick in unsere Zielvorstellungen geben:



Ganzheitliche Betrachtung und daraus resultierende individuelle Förderung des Kindes



Unsere Kinder lernen ganzheitlich. Sie wollen die Dinge nicht nur anschauen oder darüber reden. Sie wollen sie anfassen, daran riechen, schmecken, befühlen und damit experimentieren. Das ist bei uns erlaubt und wird gefördert. Sinneswahrnehmungen sind die Grundlage für ein differenziertes Vorstellungs und Denkvermögen. Deshalb haben die Kinder zwar häufig schmutzige Hosen und klebrige Hände (während einer Tätigkeit wie z.B. Kneten); aber nur so machen sie alle die Erfahrungen, die sie später einmal in die Lage versetzen, in der Schule mitzudenken und Zusammenhänge gedanklich nachvollziehen zu können.

Nachfolgend ein praktisches Beispiel: Drei Vorschulkinder einer Gruppe bitten die Erzieherin – während des Freispielsauf dem Außengelände der Einrichtung spielen zu dürfen. Die Kinder entscheiden sich einen Pizza-Stand herzustellen. In Anbetracht der vier Lernbereiche können die Kinder im Lauf des Spiels zahlreiche Fähigkeiten/Fertigkeiten erwerben, bzw. ausbauen und Erfahrungen sammeln. Dabei fällt insbesondere auf, dass sie diese Eindrücke nicht isoliert voneinander erwerben, sondern Erkenntnisse in verschiedenen Bereichen gleichzeitig aufnehmen und verinnerlichen können.



Als Beispiele hierfür seien genannt:

  • Absprachen treffen, wer ist denn der Fahrer, wer der Bäcker, wer ist Verkäufer? (Sprache und Sozialverhalten)
  • Was gibt es außer Pizza zu kaufen?
  • Wie stellen wir es her/dar? (Sprache)
  • Welche Bestellungen sind eingegangen? (Sprache)
  • Die Pizza wird auf einen Plastikteller aus Sand gelegt und mit Blättern, Eicheln, etc. belegt. (Spiel und Gestalten)
  • Die Spaghetti sind mehrere kleine Äste oder auch Grashalme. (Spiel und Gestalten)
  • Das Eis wird aus Sand und Förmchen hergestellt. (Spiel und Gestalten) Sie malen Hinweise zum Stand mit Kreide auf das Pflaster. (Spiel und Gestalten)
  • Die Kinder sammeln Naturmaterialien wie Blätter, Rinde, Bucheckern,… . (Natur und Umwelt)
  • Sie erfahren, dass nur nasser Sand in einer Form gestürzt werden kann. (Natur und Umwelt)
  • Sie lernen, dass nur trockener Sand gesiebt werden kann. (Natur und Umwelt) Sie springen, um an Blätter u.ä. zu kommen. (grobmotorische Bewegung)
  • Sie fahren mit dem Bobby-Car um die Pizza auszutragen. (grobmotorische Bewegung)
  • Sie belegen die Pizza. (feinmotorische Bewegung)


Innerhalb dieses einen Rollenspiels machen die Kinder aber nicht nur die unterschiedlichsten Erfahrungen, sondern lernen auch in dem Tempo, welches sie sich selbst vorgeben und zu einem von ihnen frei gewählten Zeitpunkt. Bei dem genannten Lernprozess handelt es sich um einen ganzheitlichen.

Dies ist das effektivste und daher von uns am häufigsten genutzte Lernverfahren. Ergänzt wird es durch Beobachtungen und daraus resultierende gezielte Angebote.

 




Soziale Kompetenz



In unseren vier altersgemischten Gruppen erleben sich unsere Kinder mal klein, mal groß, mal stark, mal helfend, mal Hilfe suchend, etc. Diese eigenen Erfahrungen bilden die Grundlage für gegenseitiges Verständnis und verantwortliches Handeln. Nach dem Kindergarteneintritt lernt das Kind seine eigene, individuelle Rolle innerhalb des Sozialgefüges Kindergartengruppe kennen und dementsprechende Handlungsschemata zu entwickeln. Durch zahlreiche Gespräche mit den anderen Kindern und uns, den Erzieherinnen, lernt es die eigene Meinung zu äußern und über das eigene Befinden zu sprechen, sowie nach Lösungen zu suchen. Wer lernt, sich sprachlich auszudrücken, kann sich mit anderen verständigen, wird nicht überhört oder übergangen.

Mit anderen zusammensein heißt für Kinder vor allem, mit anderen Kindern zu spielen, gemeinsame Spielinteressen verbinden. Im Spiel planen Kinder miteinander, setzen sich auseinander, lernen sich behaupten, finden Kompromisse, schließen Freundschaften, ... . Es ist uns äußerst wichtig, bei den Kindern die Fähigkeit zu fördern, sich in andere Menschen hineinzuversetzen (Empathie). Insbesondere für den Konfliktfall möchten wir ein Kind befähigen, der Situation angemessene Lösungsstrategien und Kompromisse zu entwickeln. Das gegenseitige Miteinander soll von Toleranz und Respekt aller Kinder unserer Einrichtung untereinander geprägt werden. Ungeachtet von äußerem Erscheinungsbild, Gruppenzugehörigkeit oder Sympathie soll jedes Kind dem/der anderen offen und unbefangen gegenübertreten. Altersentsprechend soll das Kind bei uns lernen, die eigenen Interessen oder Wünsche, gegenüber den Interessen aller, auch einmal unterzuordnen und sich insofern zurückzunehmen. In jeder unserer vier Gruppen übernehmen die Kinder Aufgaben in und für die Gemeinschaft; den Tisch decken, nach dem Spiel zusammen aufräumen, den anderen beim Anziehen helfen, sich um ein neues Kind kümmern, usw. Mittels vieler kleiner Handlungen lernen unsere Kinder somit, Verantwortung für einander und für eine gemeinsame Sache zu übernehmen. Hilfsbereitschaft ist im Kindergarten unerlässlich und stellt einen wesentlichen Bestandteil unseres Gemeinschaftslebens dar.

Zur Förderung der sozialen Kompetenz eines Kindes gehört es für uns auch, dem Kind die Wertschätzung fremden Eigentums zu vermitteln. Der sorgsame Umgang mit Spielmaterialien des Kindergartens, aber auch die angemessene Benutzung des Spielzeugs anderer Kinder stellen weitere Fundamentstücke im harmonischen Miteinander dar. Gleiches gilt für den Erwerb und die Anwendung von Umgangsformen. „Guten Morgen“ beim Betreten des Raumes, „Auf Wiedersehen“ beim Verlassen der Einrichtung, „Bitte“ und „Danke“ gehören ebenso wie zu den Höflichkeitsregeln, welche wir den Kindern nahe bringen möchten. Gute Umgangsformen werden allen gefallen. Aus pädagogischen Gründen und Sicherheitsaspekten bilden Regeln ein Gerüst, um die Freiheitsentfaltung eines jeden Kindes so uneingeschränkt wie möglich gewährleisten zu können. Von daher ist es uns wichtig, dass unsere Kinder den Sinn und die Notwendigkeit der Regeln verstehen, akzeptieren und in ihrem Alltag berücksichtigen.



 

Selbständigkeit in lebenspraktischen Bereichen



Bilder malen, Werken, Gestalten, Musizieren, im Sand bauen, Geschichten spielen, mit dem Messer schneiden,… . Unser Kindergarten bietet jedem Kind die Zeit, Möglichkeit und bewusste Anregung durch die Erzieherin eigene Ausdrucksformen zu entwickeln. Mittels des Erlernens der richtigen Handhabung von Arbeitsgeräten (Schere, Stift…), unter Anleitung einer Erzieherin, ermöglichen wir es dem Kind, Lernerfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Materialien zu sammeln, welches dem Kind das Umsetzen oder Ausleben der eigenen, individuellen Kreativität erst ermöglicht.

Wir möchten jedes Kind unterstützen und anregen, Eigeninitiative und Fantasie zu entwickeln, Ideen zu verfolgen, eigene Wege und Lösungen zu finden und somit erfinderisch und kreativ tätig zu sein.

Im täglichen Miteinander erlangen unsere Kinder zahlreiche soziale Fähigkeiten, dazu gehört das selbständige Anbieten, aber auch das Annehmen von Hilfe von anderen Kindern und Erzieherinnen; z.B. beim Anziehen, beim Aufräumen, … . Die kindgerechte und altersentsprechende Einbeziehung des Kindes in den Kindergartenalltag, die sich z.B. durch das Mitbringen und Beschaffen von themenrelevanten Materialien (Bücher, wertfreies Material, usw.) äußert, ist ein weiterer, bereichernder Bestandteil des Gruppenlebens in unserem Kindergarten.

Wir möchten das Kind in die Lage versetzen, sich selbständig Tätigkeiten zu suchen und diese auch bei auftretenden Problemen konsequent zu Ende zu führen. Selbstverständlich bezieht sich die Anwendung verschiedener Problemlösungen auch auf von uns –den Erzieherinnen- angeregte Tätigkeiten und Beschäftigungen. Auch der Erwerb von hygienischer Selbständigkeit des Kindes liegt uns am Herzen. Als Beispiele hierfür sei genannt: Das Waschen der Hände nach dem Toilettengang, das Hinterlassen eines sauberen Frühstücksplatzes, u.v.a. . Durch das Einbeziehen der Kinder in täglich anfallende Aufgaben wie z.B. Teewagen holen/wegbringen oder Blumen gießen wird das Erfahrungsfeld des Kindes gesteigert. Es lernt sich etwas zuzutrauen und das macht stark und motiviert. Viele kleine Lernerfahrungen (Schleife binden, Jacken öffnen und schließen, Reißverschluss betätigen, u.a.) geben die Kinder auch untereinander weiter. Diese gruppendynamischen Prozesse finden auch ohne Anregung von uns Erzieherinnen statt. Sich selbst an- und ausziehen, die Schuhe zu binden, ein Brot zu schmieren, darauf zu achten, dass der verlorene Hausschuh wiedergefunden wird, das verschüttete Getränk selbst aufwischen, das alles sind die kleinen Schritte zur großen Selbständigkeit.



 

Förderung der Konzentrationsfähigkeit



Unser Kindergartenalltag orientiert sich am Bedürfnis der Kinder, wobei eine besondere Bedeutung dem Spiel zukommt. Spielen macht Spaß und was Spaß macht, das machen die Kinder mit größter Freude. Zeit zum Spielen ist Zeit, in der Kinder einer Sache mit Konzentration nachgehen und dabei Ausdauer und Durchhaltevermögen entwickeln. Hierbei können die Kinder Erfahrungen sammeln und Lernerfolge im Spiel erreichen.

Gleichzeitig ist uns wichtig, dass Kinder sich über einen angemessenen Zeitraum mit einer Tätigkeit auseinandersetzen können und lernen, sich dabei auch nicht von äußeren Einflüssen (Geräusche von anderen Kindern der Gruppe) ablenken zu lassen. Ausreichende Konzentrationsfähigkeit ist die Basis für von außen angeregte, zielgerichtete Lernprozesse, wie z.B. dem Schrifterwerb in der Schule.

Viele unserer Ziele lernt das Kind im Sozialraum „Kindergarten“ ganz automatisch, ohne konkrete Anleitung, alleine durch gruppendynamische Prozesse. Die Umsetzung anderer Ziele erfordert die Motivation und gezielte Anregung der Kinder durch die Erzieherinnen. Gelingt es uns -unter Berücksichtigung einer dreijährigen Kindergartenzeit- diese Ziele zu erreichen, so wird ihr Kind mit Selbstvertrauen, Kreativität und einem breit gefächerten Erfahrungsspektrum den Kindergarten Marienhagen verlassen. 



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